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Die Psychologie des Vorurteils: Ein Überblick

Stereotypen in den Medien

Einer der Hauptschauplätze, wo Kinder und Erwachsene Stereotypen erlernen, sind die Massenmedien. Inhaltsanalysen zeigen, dass Werbespots, Fernsehprogramme, Filme und andere Medien voll von rassistischen und sexistischen Stereotypen sind (Entman & Rojecki, 2000; Furnham & Mak, 1999; Plous & Neptune, 1997). Obwohl der kumulative Effekt dieser Stereotypen schwer zu messen ist, legt die bloße Menge an Werbung nahe, dass viele Menschen tagtäglich Stereotypen ausgesetzt werden. Werbungsanzeigen (in den USA) nehmen fast 60% in Zeitungen, 52% auf Zeitschriftenseiten, 18% der Radiozeit und 17% der Hauptfernsehzeit ein (Collins & Skover, 1993).

Untersuchungen zeigen, dass diese Werbeanzeigen grundlegenden Einfluss darauf haben, wie Menschen sich gegenseitig wahrnehmen und miteinander umgehen. Zum Beispiel fand eine Studie heraus, dass männliche Befragte, die sexistische Fernsehwerbungen angeschaut hatten, später eine weibliche Bewerberin weniger kompetent beurteilten, weniger biographische Informationen, aber mehr zu ihrer physischen Erscheinung, erinnerten als Probanden der Kontrollgruppe (Rudman & Borgida, 1995). Eine andere Untersuchung zeigte, dass in Gemeinden ohne Fernsehen aufgewachsene Kinder weniger geschlechtsstereotypische Wahrnehmungen hatten als vergleichbare ProbandInnen, die in Gemeinden mit Fernsehen aufgewachsen waren. Geschlechtstypische Einstellungen erhöhten sich, sobald Fernsehen eingeführt wurde (Kimball, 1986). In einer weiteren Studie wurden Frauen Werbeanzeigen gezeigt, die den traditionellen Geschlechterrollen gegensätzlich waren. Die Frauen wurden daraufhin selbstbewusster und unabhängiger in ihren Urteilen (Jennings, Geis, & Brown, 1980). Diese und viele andere Untersuchungen belegen den Einfluss von Werbung auf soziale Wahrnehmung und Verhalten. Außerhalb der Werbung üben auch andere auf Medien basierende Stereotypen beachtlichen Einfluss aus. Forschung darüber zeigt zum Beispiel folgendes:
  • Weiße FernsehzuschauerInnen, die stereotype Zeichentrickfilme über Schwarze anschauen, befinden danach schwarze Angeklagte eher einer Anklage auf Körperverletzung schuldig (Ford, 1997).

  • Männer, die Filmausschnitte anschauen, in denen Frauen als Objekte dargestellt werden, glauben danach häufiger, dass ein Vergewaltigungsopfer Genuss erlebte und "das bekam, was sie wollte” (Milburn, Mather, & Conrad, 2000).

  • Menschen, die Frauen objektivierende Musikvideos anschauen, schätzen danach auf Männer eingehende Frauen als sexueller und unterwürfiger ein (Hansen & Hansen, 1988).

  • Heterosexuelle Männer, die in erotischen Zeitschriften attraktive Frauen anschauen, schätzen ihre Partnerinnen daraufhin als weniger attraktiv ein (Kenrick, Gutierres, & Goldberg, 1989).
In vielen Fällen verschwindet die unmittelbare Wirkung der stereotypen Aktivierung nach einigen Minuten wieder, aber unabhängig von ihrer Dauer verstärkt jede Aktivierung langfristig stereotypes Denken. Zusätzlich liegen Nachweise vor, wonach ein einmal aktiviertes Stereotyp ganz einfach reaktiviert werden kann, z.B. durch eine Meinungsverschiedenheit mit jemandem aus der stereotypisierten Gruppe. Wenn ein Stereotyp oft genug abgerufen wird, kann es auch dauerhaft verfügbar werden (Ford, 1997; Kunda, Davies, Adams, & Spencer, 2002). Demzufolge können Medien basierte Stereotypen individuell betrachtet harmlos erscheinen, ihre kumulative Auswirkung kann mit der Zeit jedoch beträchtlich sein.


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