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Die Psychologie des Vorurteils: Ein Überblick

Reduzierung von Vorurteilen und Diskriminierung

Am 24. September 1973 landete ein in vollen Insignien gekleideter Indianerhäuptling aus Kalifornien in Rom und forderte nach dem "Entdeckungsrecht " den Besitz Italiens, genauso wie Christopher Columbus fast 500 Jahre zuvor Amerika beansprucht hatte. "Ich erkläre diesen Tag zum Entdeckungstag von Italien", sagte er.

Amerikanische Indianer entdecken Italien "Welches Recht", fragte der Häuptling, "hatte Columbus, Amerika zu entdecken, wenn es schon seit Jahrtausenden bewohnt gewesen war? Dasselbe Recht, das ich habe, jetzt nach Italien zu kommen und die Entdeckung Eures Landes zu verkünden."

Obwohl die New York Times diese Forderung für "bizarr" erklärte (Krebs, 1973), half diese Kritik aus der Zeitung nur, den Gedanken des Häuptlings zu veranschaulichen: es ist tatsächlich bizarr, per "Entdeckungsrecht" Besitz eines Landes zu beanspruchen, das schon seit langem von anderen Menschen bewohnt ist. Indem der Häuptling diese Forderung aufstellte, tat er folgendes: Er kehrte die Perspektive der Menschen um und lud sie ein, die Welt aus den Augen eines amerikanischen Indianers zu sehen.

Forschung zu Empathie und Rollenspiel legt nahe, dass Perspektivenumkehrung Vorurteile, Stereotypisierungen und Diskriminierung verringern kann (Batson et al., 1997; Galinsky & Moskowitz, 2000; McGregor, 1993; Stephan & Finlay, 1999). Tatsächlich scheinen Empathie-Trainingsprogramme, Vorurteile unabhängig von Alter, Geschlecht und Rassenzugehörigkeit der TeilnehmerInnen zu senken (Aboud & Levy, 2000). Ein zusätzlicher praktischer Vorteil von Empathie ist ihre relativ einfache Anwendung in einer Vielzahl von Situationen. Alles, was man zur besseren Einfühlung in die Lage der Betroffenen von Vorurteilen tun muss, ist sich zu fragen: Wie würde ich mich in dieser Situation fühlen? Wie fühlen sie sich jetzt? oder Warum verhalten sie sich gerade so und nicht anders? Rollenspiele wurden ebenfalls angewendet, um effektives Reagieren auf voreingenommene Bemerkungen zu üben (Plous 2000).

Eine andere effektive Methode zur Reduzierung von Vorurteilen und Diskriminierung ist die Etablierung von Gesetzen, Regeln und sozialen Normen für gerechte Behandlung (Oskamp, 2000). In der Psychologie bedeuten "Normen" Erwartungen oder Regeln für akzeptables Verhalten in einer bestimmten Situation, und die Forschung deutet darauf hin, dass öffentliche Unterstützung für anti-vorurteilshafte Normen von nur einer Person schon genug ist, auch andere Menschen in diese Richtung zu bringen (Blanchard, Lilly, & Vaughn, 1991). Außerdem zeigten Experimente zu Vorurteilen gegen Homosexuelle und Schwarze, dass individuelle Unterstützung für antivorurteilshafte Normen Meinungen höchst, aber auch niedrig oder mittelmäßig voreingenommener Menschen wegwischen kann (Monteith, Deneen, & Tooman, 1996). Normative Informationen sind bei Ingroup-Mitgliedern besonders wirksam und dauerhaft. Nachdem in einer Studie zum Beispiel weißen StudentInnen mitgeteilt wurde, dass ihre KommilitonInnen weniger rassistische Ansichten vertraten als sie dachten, löste diese normative Information auch noch eine Woche später Vorurteil mindernde Effekte aus (Stangor, Sechrist, & Jost, 2001).

Sogar länger anhaltende Vorurteilsminderungen sind möglich, wenn Menschen auf Inkonsistenzen in ihren Werten, Einstellungen und in ihrem Verhalten aufmerksam gemacht werden. Milton Rokeach (1971) demonstrierte zum Beispiel, dass, nachdem StudentInnen eine halbe Stunde über die Unstimmigkeiten zwischen ihren eigenen Werten, Einstellungen und Verhaltensweisen und dem Ideal sozialer Gleichheit nachgedacht hatten, sie noch über ein Jahr danach Bürgerrechte deutlich mehr befürworteten. Diese Ergebnisse stimmen mit der kognitiven Dissonanztheorie überein. Sie postuliert, (1) dass psychologisch inkompatible Gedanken ein Gefühl internen Unbehagens oder Dissonanz erzeugen und (2) dass Menschen dieses Gefühl möglichst zu vermeiden oder verringern suchen (Festinger, 1957). Dieser Analyse zufolge hatten die StudentInnen in Rokeachs Studie inkompatible Gedanken, wie "ich unterstütze soziale Gleichheit" und "Ich habe niemals Zeit oder Geld aufgebracht, Bürgerrechtsgruppen zu unterstützen" und bemühten sich um die Reduzierung des Dissonanzgefühls, indem sie ihre Unterstützung für Bürgerrechte erhöhten. Andere Forschungsgruppen haben Dissonanz bezogene Techniken verwendet, um antihomosexuelle, antiasiatische und antischwarze Vorurteile zu verringern (Hing, Li, & Zanna, 2002; Leippe & Eisenstadt, 1994; Monteith, 1993).


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