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Die Psychologie des Vorurteils: Ein Überblick

Outgroup-Homogenität

Eng verwandt mit der Assimilation ist der "Effekt der Outgroup-Homogenität". In der Sprache der Sozialpsychologie bedeutet "Ingroup" eine Gruppe, zu der jemand gehört, und eine "Outgroup" ist eine Gruppe, der eine Person nicht angehört (daher kann die Ingroup einer Person die Outgroup einer anderen Person sein und umgekehrt). Untersuchungen zu Effekten der Outgroup-Homogenität haben gezeigt, dass Menschen hinsichtlich von Einstellungen, Werten, Persönlichkeitsmerkmalen und anderen Eigenschaften dazu neigen, Outgroup-Mitglieder als ähnlicher anzusehen als Ingroup-Mitglieder. Daher werden Outgroup-Mitglieder eher als austauschbar oder auch entbehrlich angesehen, und es ist für sie wahrscheinlicher, stereotypisiert zu werden. Diese Wahrnehmung von Gleichheit besteht, ganz egal ob es sich um eine andere Rasse, Religion, Nationalität, ein anderes Studienfach oder um weitere natürlich vorkommende Gruppen handelt (Linville, 1998).

Eine der ersten Untersuchungen, die den Effekt der Outgroup-Homogenität demonstrieren sollte, wurde an der Princeton Universität durchgeführt. Studierende aus vier verschiedenen "Ess- Klubs" wurden gebeten, die Mitglieder ihrer eigenen Gruppe und die der anderen drei Gruppen auf Persönlichkeitsdimensionen, wie introvertiert-extrovertiert und arrogant-bescheiden einzuschätzen (Jones, Wood, & Quattrone, 1981). Den Ergebnissen zufolge schätzten die ProbandInnen die Mitglieder ihrer eigenen Gruppe in ihrer Persönlichkeit vielfältiger ein als die Mitglieder der Outgroup -- ganz gleich in welcher Gruppe sich die ProbandInnen befanden. Neuere Studien zu Outgroup-Homogenität haben auch gezeigt, dass der Effekt dann am stärksten ist, wenn In- und Outgroup lange bestehen und im wirklichen Leben (nicht künstlich in Laborexperimenten gebildet) existieren und wenn die Ingroup groß ist (Mullen & Hu, 1989). Wenn die Ingroup klein und die betreffenden Eigenschaften für ihre Identität bedeutend sind, kann der Outgroup-Homogenitätseffekt verschwinden oder sich sogar umkehren (Simon, 1992; Simon & Pettigrew, 1990).

Warum werden Outgroups im Allgemeinen als homogener wahrgenommen als Ingroups? Ein Grund liegt möglicherweise darin, dass Menschen normalerweise weniger Kontakt mit Outgroup-Mitgliedern haben als mit Ingroup-Mitgliedern. Tatsächlich gibt es gute Befunde für diese Erklärung (Islam & Hewstone, 1993; Linville & Fischer, 1993). Jedoch kann der Kontakt allein den Outgroup-Homogenitätseffekt nicht erklären, denn einige Untersuchungen haben gezeigt, dass der Effekt nicht mit der Anzahl von In- oder Outgroup-Mitgliedern im Zusammenhang steht, die eine Person kennt (z.B. Jones, Wood, & Quattrone, 1981). Außerdem werden Outgroup-Homogenitätseffekte manchmal auch in Gruppen nachgewiesen, die beträchtlichen Kontakt miteinander pflegen, wie Frauen und Männer (Park & Rothbart, 1982; Park & Judd, 1990). Wenn sich Männer darüber beschweren, dass "Frauen alle gleich" sind und Frauen sich darüber beschweren, dass "Männer alle gleich" sind, werden ihre Vorwürfe wohl kaum von zuwenig Umgang miteinander herrühren.

Die beste Erklärung ist wohl, dass eine Vielzahl von Faktoren für den Outgroup-Homogenitätseffekt verantwortlich ist. Abgesehen von der Tatsache, dass Menschen für gewöhnlich mehr Umgang mit Ingroup-Mitgliedern haben, neigen sie außerdem dazu, Informationen über Ingroups in Bezug auf Personen zu organisieren und abzurufen und nicht so sehr in Bezug auf abstrakte Charakteristiken (Ostrom, Carpenter, Sedikides, & Li, 1993; Park & Judd, 1990). In vielen Fällen sind Menschen auch motivierter, solche Ingroup-Mitglieder näher zu differenzieren, mit denen sie in Zukunft engeren Kontakt haben werden (Linville, 1998). Wenn diese Faktoren zusammen wirken, resultiert daraus oftmals sowohl eine Ingroup, die eine diversere Auswahl an Individuen zu haben scheint, sowie eine Outgroup, die nach außen relativ homogen und undifferenziert scheint.


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