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Die Psychologie des Vorurteils: Ein Überblick

Ingroup-Begünstigung (Ingroup-Favoritism)

Wenn die meisten Menschen an Rassismus und andere Formen von Voreingenommenheit denken, stellen sie sich vor, dass eine Gruppe einer anderen Gruppe negative Gefühle entgegen bringt. Obwohl diese Dynamik mit Sicherheit stattfindet, haben Untersuchungen seit den 1970er Jahren herausgefunden, dass viele Voreingenommenheiten von Gruppen mehr eine Funktion der Begünstigung der eigenen Gruppe darstellen als negative Gefühle gegenüber anderen Gruppen. Marilyn Brewer (1999, S. 438) fasste die Nachweise wie folgt zusammen: "Schließlich können sich Formen von Diskriminierung und Voreingenommenheit entwickeln, nicht weil Outgroups gehasst werden, sondern weil positive Emotionen, wie Bewunderung, Mitleid und Vertrauen für die Ingroup reserviert bleiben. "Die Neigung von Menschen, ihre eigene Gruppe zu begünstigen oder zu favorisieren, wird als "Ingroup-Bias" (bias i.S. von Voreingenommenheit) bezeichnet und wurde in Kulturen überall auf der Welt gefunden (Aberson, Healy, & Romero, 2000; Brewer, 1979, 1999).

Einer der überraschendsten Aspekte von Ingroup-Bias ist, wie einfach er ausgelöst werden kann. Dieser Befund wurde von Henri Tajfel (1970, 1981) in einer Reihe von Experimenten in Bristol, England, gezeigt. Tajfel und seine Forschungsgruppe erfanden das heute bekannte "Minimalgruppen-Prozedere" ("minimal group procedure ") -- eine experimentelle Technik, bei der Menschen, die sich nie zuvor getroffen haben, auf der Basis minimaler Informationen in Gruppen aufgeteilt werden (z.B. aufgrund einer Vorliebe für eine bestimmte Art Gemälde versus einer anderen, oder einfach nur aufgrund eines Münzwurfs). Tajfel entdeckte, dass auf der Basis fast jeder beliebigen Unterscheidung gebildete Gruppen für Ingroup-Bias anfällig sind. Innerhalb von Minuten, nachdem Menschen in Gruppen eingeteilt werden, neigen sie dazu, ihre eigene Gruppe als den anderen Gruppen überlegen anzusehen. Sie werden häufig versuchen, sich Vorteile gegenüber den anderen Gruppen zu verschaffen. Wenn sogar, einer solchen Studie zufolge, ProbandInnen die Belohnungsmatrix in Tabelle 2 dargeboten wurde, bevorzugten sie eine Ingroup/Outgroup Gewinnverteilung von 7/1 gegenüber einer von 12/11 Punkten. Damit enthielten sie ihrer eigenen Gruppe 5 Punkte vor (7 anstatt von 12), um so einen hohen relativen Vorteil gegenüber der Outgroup aufrecht zu erhalten (Allen & Wilder, 1975; Wilder, 1981).

Tabelle 2. Beispiel einer Auszahlungsmatrix aus der Minimalgruppenforschung

Mitgliednr._____ aus_____ Gruppe 7
1
8
3
9
5
10
7
11
9
12
11
13
13
14
15
15
17
16
19
17
21
18
23
19
25
Mitgliednr._____ aus_____ Gruppe

Anmerkung: ProbandInnen einer Studie von Allen und Wilder (1975) wurde eine Auszahlungsmatrix vorgelegt, deren Punkte einem Geldwert entsprachen. Die ProbandInnen sollten jeweils einem aus ihrer Gruppe (obere Reihe) und einem aus der anderen Gruppe (untere Reihe) Punkte zuweisen. Dabei durften sie eine der 13 obigen Möglichkeiten wählen (z.B. 7 Punkte für das Ingroup-Mitglied und 1 Punkt für das Outgroup-Mitglied).

Während es vielleicht merkwürdig erscheint, dass sich Ingroup-Begünstigung so einfach entwickelt, werden diese Befunde von Untersuchungen gestützt, die zeigen, dass sich soziale Bindungen und Zuneigung ohne weiteres aufgrund scheinbar nebensächlicher Charakteristiken bilden können. In einer Studie zum Beispiel kam heraus, dass Menschen wahrscheinlicher mit einer anderen Person kooperieren, wenn sie erfahren, dass diese am gleichen Tag Geburtstag hat (Miller, Downs, & Prentice, 1998). Sogar bedeutsame Lebensentscheidungen -- wie Partnerwahl, Wohnsitz und angestrebter Beruf -- können durch relativ unbedeutende Ähnlichkeiten beeinflusst werden. In mehreren, gut konzipierten Untersuchungen, fanden Brett Pelham und seine Forschungsgruppe (Pelham, Jones, Mirenberg, & Carvallo, 2002; Pelham, Mirenberg, & Jones, 2002) -- verglichen mit der erwarteten Zufallswahrscheinlichkeit -- folgendes:

  • Frauen heiraten eher Männer, deren Nachname mit dem gleichen Buchstaben wie der Mädchenname der Frau beginnt.

  • Menschen leben eher in Städten, die die Zahl ihres Geburtstages beinhalten (z.B. Leute, die am 3. März geboren wurden, leben wahrscheinlicher als andere in "Three Rivers" im Bundesstaat Michigan, USA)

  • Menschen, die Louis heißen, leben wahrscheinlicher in St. Louis, Menschen mit dem Namen Paul leben eher in St. Paul, Menschen mit dem Namen Helen leben eher in St. Helen, und Menschen mit dem Namen Mary leben eher in St. Mary.
Pelham und seine Forschungsgruppe erklären diese Ergebnisse mit dem Begriff "impliziter Egotismus" oder einer unbewussten Vorliebe für Dinge, die mit einem selber assoziiert sind. Pelham zufolge mögen Vorlieben für Buchstabe und Zahl zwar trivial klingen, aber solche Vorlieben sind aufgrund ihrer Verbindung zum Selbstkonzept und zur Identität eines Menschen psychologisch bedeutungsvoll. Laboruntersuchungen zum impliziten Egotismus stützen dies und zeigten, dass Menschen mit hohem Selbstwertgefühl, die eine Niederlage für ihr Selbstkonzept erleben, eine erhöhte Präferenz für die Buchstaben ihres Namens oder die Zahlen ihres Geburtstages an den Tag legen, als ob sie damit ihr Selbstwertgefühl wieder aufbessern würden (Jones, Pelham, Mirenberg, & Hetts, 2002).


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