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Die Psychologie des Vorurteils: Ein Überblick

Selbstwertgefühl und soziale Identität

Kehren wir zum Thema Vorurteile zurück. Tajfel stellte die Hypothese auf, dass Ingroup-Bias durch ähnliche Dynamiken entsteht, was das Bedürfnis nach Selbstwertgefühl angeht. Tajfel und seiner Forschungsgruppe zufolge halten Menschen ihren Selbstwert teilweise aufrecht, indem sie sich mit Gruppen identifizieren und diese für besser erachten als andere Gruppen (Tajfel, 1981; Tajfel & Turner, 1986). Demnach bieten sogar experimentell kreierte minimale Gruppen den Menschen die Möglichkeit, ihr Selbstwertgefühl durch Ingroup-Bias zu stärken. Tajfel’s "Soziale Identitätstheorie" wird sowohl von Laborexperimenten als auch von Feldstudien gestützt. Zum Beispiel hat eine Untersuchung an amerikanischen Universitäten gezeigt, dass Mitglieder des studentischen Sportteams nach dem Gewinnen eines Spiels eher dazu neigen (1) Kleidung zu tragen, die sie mit der Schule identifizieren und (2) beim Beschreiben des Spielergebnisses das Wort "wir" häufiger benutzen, besonders wenn ihr Selbstwertgefühl in letzter Zeit durch eine persönliche Niederlage angeschlagen worden war (Cialdini, Borden, Thorne, Walker, Freeman, & Sloan, 1976). Des Weiteren besagt ein Übersichtsartikel aus 34 verschiedenen Studien, dass Menschen mit hohem Selbstwertgefühl -- die somit am meisten zu verlieren haben, wenn ihr Selbstwertgefühl bedroht wird -- mehr Ingroup-Bias zeigen als Menschen mit niedrigem Selbstwertgefühl (Aberson, Healy, & Romero, 2000).

Forschungsergebnisse zeigen auch, dass Menschen dann mehr Vorurteile äußern, wenn sie eine Minderung im Selbstwertgefühl erleben. Dies wurde in einem Experiment demonstriert, bei dem Studierende einen Intelligenztest absolvierten. Danach erhielten sie fingierte Rückmeldungen, die ihr Selbstwertgefühl veränderten (Fein & Spencer, 1997). Der einen, zufällig ausgewählten, Hälfte der ProbandInnen wurde mitgeteilt, dass sie so gut wie die obersten 10% ihrer KommilitonInnen abgeschnitten hätten, der anderen Hälfte sagte man, dass sie unter dem Durchschnitt liegen würden. Dann sollten die ProbandInnen in einem anderen Experiment, das mit dem ersten scheinbar nicht im Zusammenhang stand, eine Bewerberin beurteilen, die entweder als jüdisch oder als italienisch vorgestellt wurde. Es zeigte sich, dass ProbandInnen, deren Selbstbewusstsein zuvor eine Niederlage erlitten hatte, später die Bewerberin schlechter beurteilten, wenn sie anscheinend jüdisch war als wenn sie italienisch erschien. Im Gegensatz dazu traten jedoch keine Unterschiede in den Beurteilungen auf, wenn die ProbandInnen positive Rückmeldung über ihre Intelligenzleistung erhalten hatten. Darüber hinaus zeigten diejenigen mit negativer Rückmeldung eine Wiederbelebung in ihrem Selbstwertgefühl, nachdem sie die jüdische Bewerberin entwertet hatten. Demzufolge erhöhten sie ihr Selbstwertgefühl, indem sie die jüdische Kandidatin herabsetzten.

Eine tragische Implikation dieser Untersuchungen ist, dass einigen Menschen Vorurteile zur Aufrechterhaltung ihres Selbstwertes dienen. Gleichzeitig steckt in der Beziehung zwischen Vorurteil und Selbstwert eine hoffnungsvolle Botschaft: es könnte möglich sein, Vorurteile abzubauen, indem man einfach das Selbstwertgefühl der Menschen steigert. Fein und Spencer (1997) zeigten, dass dies bei einem Folgeexperiment, ähnlich wie oben, der Fall war. In einer zweiten Studie wurden antijüdische Vorurteile abgebaut, nachdem Studierende ihr Selbstwertgefühl mit Hilfe eines kurzen Aufsatzes steigerten, in dem sie über etwas für sie Wertvolles schrieben. Eine effektive Methode zum Abbau von Vorurteilen könnte also sein, die Ursachen von Unsicherheit anzugehen, die Vorurteilen zugrunde liegen.


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